Die Geschichte zu diesem Blog-Projekt

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Ein Meetup, eine Begegnung, ein Telefonat, eine Idee. Kann hier mal jemand SABIO aufschreiben? Oder: Eine Annäherung ans Brandstiften.

Die Idee zu diesem Blog entstand, als ich noch gar nicht bei SABIO gearbeitet habe. Die Geschichte startet ziemlich genau fünf Monate früher, und zwar beim Content-Strategie Meetup in Hamburg. Es war ein regnerischer Donnerstag im April und das Meetup – diesmal zu Gast bei SABIO – fiel an jenem Donnerstag etwas kleiner aus. So saßen wir mit ungefähr sieben Leute um den Kamin im SABIO Wohnzimmer. Ich startete meinen Vortrag zum Thema „Wie führt man gute Interviews“ und stellte schnell fest, dass auch wenige Teilnehmer exponentiell viele Fragen stellen können – zumindest, wenn einer der Anwesenden Alexander Holtappels heißt.

Am Ende des Abends hatte ich ein Loch im Bauch. Und dachte mir, dass dieser Geschäftsführer irre ist. Irre nervig, irre direkt, irre faszinierend.

Ein paar Tage später rief der “Irre” mich an. Und er war den Tränen ziemlich nah: „Julia, hier ist Scheiße passiert. Ich habe jemanden rausschmeißen müssen und jetzt hassen mich alle. Weißt du was, ich habe die Schnauze voll. Dieser Job ist so fucking hart. Ständig machst du Fehler, weißt nicht weiter. Ich wünschte, alle Geschäftsführer dieser Welt würden über ihre Fehler reden. Weißt du, wie viel man da lernen könnte?“

Nein, das wusste ich nicht wirklich, konnte es mir aber vorstellen. In mir blieb die Frage, was dieser Anruf sollte. Bis: „Julia, schreib das auf. Du hast ein gerütteltes Maß an Empathie und stellst gute Fragen. Du kannst das. Schreib auf, was hier bei SABIO passiert. Ich will sagen, wer wir sind, was hier gut läuft und was nicht. Ich will Transparenz und dass die Leute von uns lernen können. Und ich will, dass wir von uns selber lernen. Du machst gute Interviews, du kriegst das aus den Leuten raus. Bitte, schreib SABIO auf.“

Unwillkürlich kam mir der berühmte Satz von SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein in den Sinn: “Sagen, was ist.” Genau das sollte also mein Job bei SABIO sein. Kein ganz leichtes Unterfangen. Nicht beim SPIEGEL und erst Recht nicht bei einem Wirtschaftsunternehmen, was ja im klassischen Sinn eigentlich Hochglanz versprüht, um funkelnde Umsatzzahlen zu produzieren, um dann noch mehr zu glänzen und so weiter und sofort.

Warum also sagen, was ist? Warum riskieren, dass wir als Firma auch mal als nicht so toll dastehen. Dass Andere die Stirn runzeln und Fehler für alle sichtbar werden.

Die Antwort auf diese berechtigten Fragen findet man in Alex beruflicher Lebensvision: “Als ich 45 wurde, hatte ich das Gefühl, dass es mich nicht stolz machen würde, in Zukunft noch mehr Software zu verkaufen. Software vergeht. Was niemals vergeht, ist eine gute Zeit. Man erlebt sie in der Gegenwart und man erinnert sie mit dem Blick zurück. Ich kam zu der Erkenntnis, dass die einzige Art, einen Unterschied zu machen, es war, meinen Leuten eine gute Zeit zu ermöglichen, ihnen gute Arbeitsplätze zu geben. Es würde mich extrem stolz machen, wenn meine Kollegen am Ende meiner Karriere sagen würden: „Hey, wir hatten eine geile Zeit mit dir.“”

Ich lernte Alex kennen, als seine Vision vor seinen Augen mal wieder – ja, wie gefühlt so oft – zerbröckelte. Er bat mich, mit auf den Weg zu kommen. Als Begleiter und Zeuge seiner Vision. Als ein Reporter, der mit dabei ist und Dinge beim Namen nennt. Nicht, damit wir mehr verkaufen, mehr Mitarbeiter werden, mehr, mehr, mehr. Glanz, Glanz, Glanz. Sondern, weil wir am Ende eine Vision Realität werden lassen wollen. Weil wir wissen wollen, wie man als Gemeinschaft zu einem guten Arbeitsplatz kommt. Weil wir wissen wollen, wie andere das versuchen zu erreichen. Weil wir an Transparenz glauben und daran, dass man aus Fehlern lernen kann. Wenn man den Mut hat, darüber zu sprechen.

“Julia, der Punkt ist: Wenn man aufbricht, ein neues Ufer zu entdecken, dann gibt es ganz viele Risiken und es gibt auch einen Haufen Gründe, nicht aufzubrechen. Aber wenn man sich nicht manchmal von Ängsten und Bedenken löst, kann man auch nichts Neues entdecken. Ich nehme mit diesem Blog auch Risiken in Kauf. Und vielleicht geht das Ding nach hinten los. Aber vielleicht stiften wir mit unserer Idee und unserer Art auch Brände und die Funken fliegen durch die Welt.”

Wie passend, dass diese Reise tatsächlich vor einem Kamin begann…

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